Bahnverlag

HENSCHEL Feldbahnlokomotive 1:43 (Hartmut Scholz) bahnVerlag 1990

Im Archiv fand sich ein kleiner Stapel mit fünf dieser Modellbogen. Irgendwann bei Waldmann in München »en bloc« erstanden. Nach einem gescheiterten Versuch dieses Modell zu bauen (das muss um 1990) gewesen sein) habe ich mich diesem Modell 2014 noch einmal gewidmet …

(Als Reprint wieder erhältlich bei Kartonmodelle HARTMUT SCHOLZ)

 

 

 

 

 

 

 

Der »bahnVerlag – Ulrich Schiefer« lässt sich als Herausgeber von Modellbogen leider nicht mehr finden. Im Jahre 1990 erschien von Hartmut Scholz im »bahnVerlag – Ulrich Schiefer« auch noch ein Modellbogen mit dem Titel »Lokschuppen Gründerzeit« Bestellnummer bM101, Maßstab 1:87 (HO) 11 Bogen ca. DIN A4, ca. 280 Teile. Gezeigt wird ein zweiständiger Lokschuppen mit angesetzter Werkstatt in für diesen Maßstab schöner, angemessener Detaillierung. Die Binnenzeichnung besteht im wesentlichen aus manuell gezeichnetem Ziegelmauerwerk.

Private Vorgedanken zu diesem Modellbogen einer Lokomotive:
Man findet im Netz Lokomotiv-Modelle, die UNGLAUBLICH perfekt aussehen. Dass deren Grundlage ein Modellbogen war/ist, kann optisch nicht mehr ausgemacht werden. Dies ist in erster Linie eine Folge von ERHEBLICHEM modellbauerischem und technischem Aufwand. Dieser Aufwand ist so erheblich, dass man sich spontan fragt, warum nun jener Modellbauer ÜBERHAUPT einen Modellbogen zur Hand genommen hat. Nun, das mag er für sich selbst entscheiden.
Persönlich ist das nicht das, was ich bevorzuge. Für mich SOLL ein Kartonmodell IMMER als Kartonmodell erkennbar bleiben – stehts bemüht um Perfektion – aber niemals das Material und die damit verbundenen konstruktiven Eigenheiten leugnen. Modellbauer, die absolut maßstabsgetreuen Funktionsmodellbau in Museumsqualität zum Ziel haben, sind bei »Karton« sowieso nicht ganz auf der richtigen »Baustelle«. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung …

Bei diesem Modellbogen wurde vergessen, IRGENDETWAS zum Vorbild zu sagen/schreiben. Es fehlt leider jegliche Information. Unter der Lupe lässt sich den aufgedruckten Schildern auf den Wasser(?)kästen so etwas wie »1901« oder »1911« (?) entnehmen … und eine fünfstellige (unleserliche) Nummer.
Wobei ich mir sicher bin, dass Feldbahn-Kenner auf Anhieb Typ, Baujahr etc. etc. zum Vorbild nennen können.
Als bekennender »Nicht-Modellbahner« werde ich mich daher auf das BAUEN dieses interessanten (denn DAS ist es!) Modells beschränken.

In der Tat ist dieses Modell interessant, aber – bei allem Respekt – Hartmut Scholz hat später deutlich bessere Arbeiten abgeliefert. Aber das ist ja eher Herausforderung als Meckerei. Ist und bleibt dies doch alles Menschenwerk. Auch ich lerne täglich hinzu …. 🙂
Die zeichnerischen Ungenauigkeiten sind teilweise unübersehbar und erschweren ein sauberes Montieren in mancher Bauphase. Die Nutzung eines wenig geeigneten Zeichnungsträgers (in diesem Fall wohl Transparentpapier) rächt sich später immer. Und man darf nicht vergessen: Dieses Design entstand sozusagen im vor-digitalen Zeitsalter – vor 30 Jahren – und ich weiß selbst nur zu gut, wie unpräzise ein Tuschestift im Vergleich zu Mitteln der digitalen Konstruktion sein kann.

Dazu kommen bedauerlicherweise bei diesem Modell:
• ein für einen Modellbogen gänzlich ungeignetes Kartonmaterial (beidseitig gestrichen), die Folge sind extrem „bröselnde“ Schnitt- und Knickkanten.
• Das bei einer Lok »prominenteste« runde Teil ist der Kessel! Und DER ist hier QUER zur Laufrichtung des Kartonmaterials auf dem Bogen angeordnet.
• Es fehlen meist »Mitten- und Ausrichtungsmarkierungen« und ähnliche Hilfsmittel. Leider besonders da, wo es wichtig wäre …

Das Modell ist für eine bewegliche Ausführung der Treib-, Kuppel- und Steuerstangen ausgelegt. Nach eingehener Betrachtung der dazu im Bogen vorgesehenen Teile habe ich jedoch darauf verzichtet und mich auf ein Standmodell beschränkt. Der in einem der untenstehenden Fotos gezeigte vollständige Antrieb lässt das FEHLEN einiger entscheidendender »Gelenke« erkennen. Die prinzipiell mögliche Beweglichkeit wäre nach 2—3 Radumdrehungen bereits wieder zu Ende. Die Nachbildungen der Schiebersteuerung(en) würden etwaigen Bewegungen nur kurz standhalten …

Nach dem Kantenfärben (und Kaschieren minimaler Pass-Differenzen) erhält man aber doch ein äußerst vorzeigbares Modell. Und es ist – Fotos des kompletten Modells weiter unten – am Ende doch eine richtig hübsche Lokomotive mit ausgewogenen Proportionen und einer ausreichenden Detaillierung geworden.

Dennoch: Einen gewissen Mangel an überschäumender Freude kann ich nicht verhehlen, denn bei diesem Modell ist doch sehr viel Potential verschenkt worden.
Einerseits (wie eingangs erwähnt) die leider falsche und SEHR ärgerliche Auswahl des Bedruckstoffs und die sachlich tatsächlich verkehrte Faserlaufrichtung.

Das DARF ich noch sagen:
Meiner Meinung nach ist es schade, dass Hartmut Scholz diesen hier vorgelegten und äusserst vielversprechenden Konstruktionsansatz nicht ganz so zielstrebig weiterentwickelt hat, wie ich erhofft hatte, denn der kurze Zeit nach der HENSCHEL-Lok erschienene Modellbogen der »Bayerischen S 3/6« entspricht im wesentlichen demselben technischen Niveau wie dem des HENSCHEL Modellbogens.
Spätere Entwürfe von ihm sind meiner Meinung nach wieder etwas weniger kompliziert … was ja im Hinblick auf leichtere Baubarkeit auch nicht verkehrt ist.

Bei der HENSCHEL sind die Konstruktion der Räder und der Antriebe auf »Beweglichkeit« ausgelegt. Meine von vorneherein getroffene Entscheidung, NICHT darauf hinzuarbeiten, hat sich als völlig richtig erwiesen … Alle Achsen und Gelenke (die als Gelenke im Bogen vorgesehen sind) haben keinen Tropfen Klebstoff »gesehen« – aber dennoch bewegt sich nichts ….

Es folgen einige Fotos des Zusammensbaus. Gegen »Ende« war ich von der gerade bei den Kleinteilen extremen Hinderlichkeit des »matschigen« Kartonmaterials reichlich genervt … 🙂