Schreiber, Gerhard

Gerhard Schreiber – Bewahrer einer traditionsreichen Verlagsgeschichte

Mit Gerhard Schreiber endete die über eineinhalb Jahrhunderte währende Führung des J. F. Schreiber Verlags durch die Gründerfamilie. Als Urenkel des Verlagsgründers Johann Ferdinand Schreiber repräsentierte er die vierte Generation einer Unternehmerfamilie, die den Esslinger Verlag seit seiner Gründung im Jahr 1831 geprägt hatte.

Während seiner Zeit als Verleger entwickelte sich das Unternehmen zu einem der angesehensten deutschen Verlage für Kinder- und Jugendliteratur. Gleichzeitig hielt Gerhard Schreiber an den klassischen Programmbereichen fest, die den Ruf des Hauses über Jahrzehnte begründet hatten. Bilderbücher, Papiertheater, Schulwandtafeln und insbesondere die bekannten Kartonmodellbogen blieben feste Bestandteile des Verlagsprogramms und wurden behutsam weitergeführt.

Auch innerhalb der deutschen Buchbranche engagierte sich Gerhard Schreiber über viele Jahre hinweg. Er übernahm führende Aufgaben in der Arbeitsgemeinschaft der Jugendbuchverlage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und wirkte darüber hinaus im Landesverband Baden-Württemberg mit. Sein Engagement galt dabei nicht nur wirtschaftlichen Fragen, sondern ebenso der Förderung hochwertiger Kinder- und Jugendliteratur.

Ein bedeutender Einschnitt erfolgte 1988, als Gerhard Schreiber den Familienverlag an die Klett-Gruppe veräußerte. Damit endete die eigenständige Geschichte des traditionsreichen Familienunternehmens, dessen verlegerische Wurzeln bis in das frühe 19. Jahrhundert zurückreichten. Aus dem Verlag entstand anschließend der Esslinger Verlag J. F. Schreiber GmbH, der später in den heutigen Thienemann-Esslinger Verlag integriert wurde.

Sein nachhaltiges Vermächtnis liegt jedoch vor allem in der Sicherung des historischen Verlagsbestandes. Bereits vor und nach dem Verkauf des Unternehmens überließ Gerhard Schreiber der Stadt Esslingen umfangreiche Teile des Archivs. Die Sammlung umfasst rund 17.000 Originalzeichnungen und Entwürfe sowie Druckvorlagen, Kartonmodellbogen, Papiertheater, Bilderbücher und zahlreiche weitere Zeugnisse der Verlagsgeschichte. Dadurch konnte ein außergewöhnlich geschlossenes kulturhistorisches Archiv dauerhaft erhalten werden.

Diese Schenkungen bildeten zugleich den Grundstock für das heutige J. F. Schreiber-Museum in Esslingen. Ergänzend entstand die J. F. Schreiber-Stiftung, deren Aufgabe die langfristige Erhaltung, wissenschaftliche Betreuung und öffentliche Vermittlung der Sammlung ist. Gerhard Schreiber war an dieser Stiftung persönlich beteiligt und gehörte ihrem Beirat an beziehungsweise konnte hierfür eine Vertretung benennen.

Wer Gerhard Schreiber kannte, beschreibt ihn als einen Verleger mit ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Geschichte seines Hauses. Statt kurzfristiger Trends standen für ihn Kontinuität, Qualität und die Bewahrung des verlegerischen Erbes im Mittelpunkt seines Handelns. Dass das umfangreiche Archiv des J. F. Schreiber Verlags heute nahezu vollständig erhalten ist und der Forschung wie auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, ist in hohem Maße seinem Weitblick zu verdanken.

Gerhard Schreiber verstarb im Juli 2007 im Alter von 85 Jahren. Mit ihm schloss sich das Kapitel der familiengeführten Verlagsgeschichte des J. F. Schreiber Verlags – sein Beitrag zur Bewahrung dieses kulturellen Erbes wirkt jedoch bis heute fort.

Gerhard Schreiber und die Schreiber-Modellbogen

Während seiner Tätigkeit als Verleger sorgte Gerhard Schreiber dafür, dass die traditionsreichen Kartonmodellbogen des J. F. Schreiber Verlags trotz der zunehmenden Ausrichtung auf das Kinder- und Jugendbuchprogramm ein fester Bestandteil des Verlagsangebots blieben. Er betrachtete die Modellbogen als wichtigen Teil der verlegerischen Tradition und sicherte ihre kontinuierliche Weiterentwicklung.

Unter seiner Verantwortung erschienen sowohl überarbeitete Neuauflagen bewährter Modelle als auch zahlreiche Neukonstruktionen. Dabei arbeitete der Verlag mit erfahrenen Konstrukteuren wie Hubert Siegmund  sowie weiteren Modellautoren (zB. Alvar Hansen, Peter Gierhardt, Thomas Pleiner etc.)  zusammen, deren Entwürfe das Programm wesentlich prägten.

Gerhard Schreiber war selbst nicht als Konstrukteur tätig. Seine Aufgabe lag in der verlegerischen Betreuung des Programms, der Auswahl geeigneter Themen, der Sicherung einer hohen Druckqualität sowie der langfristigen Pflege des Modellbogensortiments.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens war die Bewahrung des historischen Verlagsarchivs. Durch die Übergabe von Originalzeichnungen, Druckvorlagen und Modellbogen an die Stadt Esslingen blieb ein bedeutender Teil der Geschichte des J. F. Schreiber Verlags und des deutschen Kartonmodellbaus dauerhaft erhalten.

Über Gerhard Schreibers persönliche Zusammenarbeit mit einzelnen Konstrukteuren sind nur wenige veröffentlichte Quellen vorhanden. Seine Bedeutung ergibt sich daher vor allem aus der kontinuierlichen Pflege und dem Erhalt des Modellbogenprogramms während seiner Verlagsleitung.

Quelle: Eigene Internet-Recherchen